Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst.

Legasthenie

Die Legasthenie teilt man in Primärlegasthenie und Sekundärlegasthenie ein. Die Legasthenie ist meist anlagebedingt, d.h. die Ursache ist im Genbereich zu suchen. Wie bereits oben erwähnt, führt die fehlerhafte Erbinformation dazu, dass die Verarbeitung der Sinneswahrnehmungen anders abläuft als bei anderen Men-schen. Neue wissenschaftliche Erhebungen belegen, dass ca. 10 – 15 % der Weltbevölkerung legasthen sind. Es spielt hierbei auch gar keine Rolle, welche Muttersprache die Betroffenen haben oder welche Schriftzeichen sie benutzen (z.B. chinesisch, hebräisch, lateinisch usw.). Jedoch hat man festgestellt, dass Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen. Lernt das betroffene Kind frühzeitig mit seiner Legasthenie umzugehen, wirken keine negativen Erlebnisse, wie ständige Frustration oder Enttäuschung auf das Kind ein, so wird das legasthene Kinde, wenn auch etwas langsamer als seine Schulkameraden, das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Grundbedingung ist natürlich, dass die Erscheinungsformen, die seine individuelle Legasthenie ausmachen, erkannt und gefördert werden. Hat ein Kind also eine zeitweise Unaufmerksamkeit beim Lesen, Schreiben oder Rechnen – es kann auch nur ein Gebiet betroffen sein – sowie differente Funktionen und weist zudem noch eine entsprechende Fehlersymptomatik auf, so spricht man von einer Primärlegasthenie, wenn sonst keine weiteren Auffälligkeiten auftreten. Wird diese Primärlegasthenie jedoch durch weitere Ereignisse verstärkt, die sich im Kind, um das Kind oder in der Schule ereignen, so spricht man von einer Sekundärlegasthenie. Mehrere Ursachen kommen hier in Betracht, die in ungünstigen Fällen auch kombiniert auftreten können. Meistens liegen jedoch psychische Ursachen vor, die den Schüler so stark belasten, dass ein erfolgreiches Lernen trotz richtigem Einsatz der Lernmittel nicht möglich ist. Zu diesen Ursachen zählen Schei-dung, Todesfall, häufige Umzüge, Geschwisterrivalitäten, dysfunktionale Familienverhältnisse, materielle Probleme, Reizüberflutung, anregungsarmes Umfeld etc. Weiterhin können auch körperliche Ursachen zu Grunde liegen, wie z.B. nicht erkannte Seh- und Hörstörungen, körperliche Behinderungen, Reifeverzögerungen, ADS, chronische Erkrankungen, wie z.B. Allergien etc.

Zu guter Letzt kann auch die Schule ein Auslöser sein. Es können Antipathien zwischen dem Schüler und einem bzw. mehreren Lehrern vorliegen und daraus resultierend ungerechte Leistungsbeurteilungen stattfinden sowie Probleme mit Mitschülern, falsches methodisches Vorgehen im Unterricht etc. auftreten. Daraus resultieren oft immer weitere Misserfolge und Demütigungen für das betroffene Kind.

Das Kind reagiert mit Verhaltensveränderungen, die bis zur Verhaltensauffälligkeit gehen können, körperliche Symptome wie Bauchschmerzen und/oder Kopfschmerzen, sogar ein Abrutschen ins kriminelle Milieu können die Folge sein. Weitere Folgen können Drogen- und/oder Alkoholabhängigkeit sein. So gesellen sich also neue Probleme zu den bereits Vorhandenen hinzu. Dann spricht man von einer Sekundärlegasthenie. Auch kann selbstverständlich auch eine Minderbegabung (kognitive Legasthenie) zu einer Sekundärlegasthenie führen. In G. Esser: Früherkennung von Teilleistungsstörungen, 1991, ist zu lesen, dass bei Kindern mit einer Teilleistungsstörung ein signifikant schlechterer Schulerfolg gegenüber Kindern ohne derartige Entwick-lungsstörungen festgestellt wird. Alarmierend sind die höheren Raten fehlender Ausbildung (16 % zu 6 %) sowie längere Arbeitslosigkeit (12 % zu 4 %). Die Betroffenen zeigen dreimal so häufig sekundäre kinder-psychiatrische Auffälligkeiten (46 % zu 14 %) und werden im Jugendalter viermal häufiger straffällig (22 % zu 5,8 %). Werden also Facetten aus der o.g. Palette von psychischen und physischen Erscheinungsformen zusätzlich zu einer Primärlegasthenie beobachtet, so ist zu dem Training durch einen Legastheniespezialisten unbedingt der Psychologe und/oder der Mediziner hinzuzuziehen.