Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst.

Dyskalkulie

Woher das Unvermögen kommt, Zahlen und Mengen zu begreifen, darüber streiten sich immer noch Experten. Theoretische Ansätze und Definitionen gibt es viele. Eins haben fast alle gemeinsam, die Charakterisierung als Teilleistungsschwäche. Hans-Dieter Gerster von der pädagogischen Hochschule in Freiburg sagt, dass eine Dyskalkulie nicht angeboren sei. Das eigentliche Problem liege nicht bei den Kindern, es entstehe meist erst im Unterricht oder sogar früher. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addi-tion, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fähigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie und Differential- sowie Integralrechnung benötigt werden.“

Dyskalkulie kann durch viele Faktoren begünstigt werden. Laut Hans-Dieter Gerster von der pädagogischen Hochschule in Freiburg kann eine echte Dyskalkulie höchstens bei einem Hirnschlag auftreten. Experten vermuten auch eine Entwicklungsstörung im Gehirn. Dadurch wird es dem betroffenen Kind erschwert, mathematische Begriffe zu erlernen. Häufig erlebt man die Dyskalkulie auch, wenn den Kindern die alltägliche geistige Anregung fehlt. Zum Beispiel lernen sie nicht beim gemeinsamen Einkaufen mit der Mutter wie viel zwei und zwei ist oder sehen nicht, dass man auch Rückgeld bekommt. Weitere Ursachen sind auch in der Schule zu sehen. Wenn ein rechenschwaches Kind einen durch den Unterricht präsentierten Sachverhalt nicht verstanden hat, macht es sich seinen eigenen Reim darauf. Das scheint für den mathematisch bewanderten Zuschauer oft zu absolut absurden Ergebnissen zu führen. Das Kind kann seine mathematisch fehlerhaften Lösungen aber meist auf eine begründbare Strategie zurückführen. Diese eigenen mit Fehler behafteten Verfahrensweisen nennt man in der Wissenschaft subjektive Algorithmen. Die wirklichen Gründe für die sehr individuelle Rechenschwäche lassen sich deshalb immer nur im Gespräch mit dem Kind – über seine Gedankenwelt, seine Algorithmen, seine Fehler, seine Widersprüche – finden. Bei einem rechenschwachen Kind passen Kind und Unterricht nicht zusammen, der Lernprozess bricht ab oder ist erst gar nicht richtig in Gang gekommen.

Die Interventionen bei einer Dyskalkulie sollten im Symptombereich in drei Ebenen stattfinden:

  • Die Erarbeitung elementarer Grundschulmathematik
  • Die Beseitigung der falschen Denkweisen eines dyskalkulen Kindes
  • Das Erreichen des Bewusstseins des Kindes, dass man ohne Mathematik im Leben nicht auskommt

Das erfordert die Entwicklung eines eigenen Programms, das einen gleichzeitigen systematischen Neuaufbau aller drei Ebenen gewährleistet. Insofern kann das weder mit herkömmlichen Nachhilfewesen oder gar mit den klassischen Möglichkeiten der Psychotherapie, sondern in erster Linie mit besonderen pädagogischen Interventionen erreicht werden.