Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst.

Anamnese

Anhand des Anamnesegespräches werden wertvolle Erkenntnisse erlangt, die notwendig sind, um ein auf das Kind ausgerichtetes, individuelles Trainingskonzept aufzustellen. Durch das Anamnesegespräch gelingt es zudem, dass sich Therapeut, Eltern und betroffenes Kind näher kennen lernen und somit ein positiver Rapport aufgebaut wird. Rapport ist wiederum eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung von Vertrauen. Weiterhin ist es wichtig, Ängste vor Durchführung irgendwelcher Tests abzubauen, da ein Kind nur in einer positiven und vertrauensvollen Umgebung einigermaßen valide Testergebnisse liefern kann. Zu große Unsicherheiten oder sogar Angst können zu verfälschten Testergebnissen führen. Es ist auch wichtig, dass Eltern im Anamnesege-spräch die Problematik einer Legasthenie/LRS oder Dyskalkulie erklärt wird, sofern sich diese durch den Test bestätigt. Es ist ratsam, vor Trainingsbeginn mit den Eltern einen Therapieplan abzustimmen und mit ihnen entsprechende Verhaltensweisen und Übungseinheiten für zu Hause abzustimmen. Weiterhin sollte während des Anamnesegesprächs noch einmal klar herausgestellt werden, dass eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Verlauf der Therapie die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lehrern, Trainern, Eltern und Schüler ist.

Diagnose

Je nach Art der vorliegenden Symptome muss für jedes Kind eine individuelle Diagnostik vorgenommen werden.
Bei der Diagnostik unterscheidet man zwischen den drei Ebenen pädagogische Ebene, psychologische Ebene und medizinische Ebene.

Bei einer
Primärlegasthenie werden lediglich Förderungen durch den Pädagogen notwendig sein, bei einer Sekun-därlegasthenie werden zusätzlich Interventionen von Psychologen, Ärzten, Ergotherapeuten und Logopäden not-wendig sein. Daher ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit dringend erforderlich.

Eine differenzierte Abklärung durch einen oder mehrere des o.g. Personenkreises wird notwendig, wenn sich bei einem Kind

1. seelische Erkrankungen
2. entwicklungsbedingte Faktoren
3. körperliche Anomalien
4. abnorme, psychosoziale Faktoren
5. intelligenzabhängige Faktoren

zeigen.

In der Regel wird auf pädagogischer Ebene entschieden, ob eine multiaxiale Diagnostik, d. h. eine Diagnose auf allen drei oben genannten Ebenen erforderlich ist. Vielfach wird aber eine multiaxiale Diagnostik verlangt, wenn staatliche Förderungen in Anspruch genommen werden. Eine multiaxiale Diagnostik bringt häufig Probleme für das Kind mit sich, dass sich fragt, wieso so viele Tests mit ihm gemacht werden und sich daher oft erst recht als dumm einschätzt oder zumindest meint, es sei nicht normal. Deshalb sollte bei Kindern, deren Eltern eine Förderung selber tragen können und deren Kinder noch keine schwerwiegende Sekundärproblematik aufweisen stets das Für und Wider einer umfangreichen Diagnostik sorgfältig abgewogen werden.

Um die Diagnose
AD(H)S zu stellen, müssen die Symptome über einen längeren Zeitraum beobachtet werden und sollten mindestens in zwei Lebensbereichen auftreten, z. B. in der Familie und in der Schule. Zusätzlich sollte die soziale, emotionale, schulische oder bei Jugendlichen und Erwachsenen die berufliche Entwicklung beeinträchtigt sein. Die Diagnose AD(H)S ist eine Sammlung von Symptomen und gehört auf jeden Fall in die Hand eines erfahrenen Psychologen oder Kinderarztes.